Fuchs (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)
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Fuchs (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)

Vorsicht vor dem Tigerschnegel

7min Lesezeit

Letzthin erhielt ich bei der Umweltberatung Luzern einen Anruf mit der Frage: «Welche Tierarten gibt es eigentlich in der Stadt Luzern? Ist es wahr, gibt es wirklich Stadtfüchse?» Oh ja, und nicht nur Füchse. Die Liste der Tierarten in der Stadt ist lang.

Regina Lenz

Man führe sich das einmal vor Augen: Einige Tausend unterschiedliche Tiere leben hier in der Stadt. Vom Wasserfloh über die Wiesenschaumzikade bis hin zum dreichstacheligen Stichling lässt sich alles finden, wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt läuft. Gut, bei den meisten Tieren handelt es sich um sehr kleine bis winzige Nematoden und Milben. Wenn Sie jetzt nicht wissen, was Nematoden sind, ist dies nicht weiter schlimm.

Ein Blick unter das Mikroskop bestätigt, dass die wurmartigen Tierchen, auch Fadenwürmer genannt, nicht gerade zu der niedlichsten Sorte gehören. Immerhin lassen sich Schneckenplagen im heimischen Garten mit Nematoden bekämpfen. Wie beispielsweise die Spanische Wegschnecke, auch als «Rossschnägg» bekannt, die wohl den meisten ein Begriff ist.

Samtmilbe, vergrössert. (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)
Samtmilbe, vergrössert. (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)

Von der «Rossschnägg» bis zur Zottigen Haarschnecke

Doch hätten Sie’s gewusst? Neben der altbekannten «Rossschnägg» schleichen sich noch viele andere Schneckenarten durch die Stadt. Bei einem Rundgang durch das luzernische Siedlungsgebiet entdecken Sie Weichtiere mit lustigen Namen wie die Zottige Haarschnecke, den Tigerschnegel oder den Steinpicker.

Bei regnerischem Wetter – und das ist ja keine Seltenheit in Luzern – finden Sie den Tigerschnegel in Gärten und Parks. Die Nacktschnecke erkennt man leicht an den dunklen Flecken, die über ihren 10–20 cm langen Körper verteilt sind. Die gepunktete Nacktschnecke verhält sich gegenüber anderen äusserst aggressiv. Artgenossen und andere Schnecken werden mit Bissen vertrieben. Keine Angst – dem Menschen kann der Tigerschnegel keinen Schaden zufügen.

Tigerschnegel (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)
«Tigerschnegel» (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)

Es schwirrt in Luzern

Neben Schnecken gibt es in Luzern auch eine grosse Vielfalt an Insekten. So ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie im Frühling über der Seebrücke dichte, tanzende Schwärme von männlichen Köcherfliegen beobachten können. Welch ein Schauspiel. Neben diversen Schmetterlingen, Wanzen und prächtigen und weniger prächtigen Käfern gibt es auch noch die Insekten, die wir als Haushaltsschädlinge bezeichnen. Die Dörrobstmotte zum Beispiel, deren Larve es sich in Lebensmitteln wie Getreide oder Schokolade bequem macht, finden die Leute verständlicherweise oft weniger toll.

Doch Fledermäuse erfreuen sich über die fliegenden Motten, Mücken, Fliegen und Schwärmer. Von der Kapellbrücke aus lassen sich in der Abenddämmerung Wasserfledermäuse beim Vertilgen ihres Abendmahls beobachten. 2700 Insekten frisst eine Wasserfledermaus pro Nacht.

Die Raubtiere der Stadt

Wie Fledermäuse sind auch die «Raubtiere der Stadt» in den Abendstunden aktiv. Füchse und Dachse sind sehr scheu und lassen sich nur mit viel, viel Glück beobachten. Oft weisen nur Spuren auf ihre Anwesenheit hin. Aber das ist immerhin auch schon eine tolle Beobachtung.

So benutzen Füchse oft immer wieder dieselben Trampelpfade entlang einer Hecke oder quer über eine Grünanlage. Die Chance, einem Fuchs zu begegnen, sind sichtlich erhöht, wenn man einen solchen Pfad im Auge behält. Neben Fuchs und Dachs sind noch weiter Raubtiere unterwegs. Da wäre noch der Steinmarder, der über die Strasse rennt und Deckung unter parkierenden Autos sucht. Oder der Mauswiesel, das kleinste aller Raubtiere, dem Sie am ehesten am Waldrandgebiet der Stadt begegnen können.

Den Ameisenlöwen schon entdeckt?

Vielleicht erstaunt es Sie, aber auch im Winter gibt es viele aktive Tierarten. Im Luzerner Seebecken tummeln sich verschiedene Wasservögel wie Schwäne, Enten, Blesshühner und Gänsesäger. Mit etwas Geduld und Beobachtungsgeschick lässt sich sogar bestimmen, welcher Vogel das Sagen hat und die Gruppe anführt. Und Ende November sind sogar noch Amphibien wie der Grasfrosch oder der Feuersalamander (der grösste einheimische Schwanzlurch) im städtischen Wald unterwegs. Und sobald der erste Schnee fällt, wenn er dann auch liegen bleibt, entdecken Sie interessante Spuren im Schnee. Solche «Fundspuren» lassen sich auch bestimmen.

Feuersalamander (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)
Feuersalamander (Bild: zvg. Umweltberatung öko-forum)

Sie merken, die Artenvielfalt in der Stadt ist bemerkenswert hoch. Ausgerüstet mit einer Becherlupe und den Argusaugen eines Kleinkindes (die finden einfach alles) lassen sich zu jeder Jahreszeit tolle Beobachtungen machen. Vielleicht entdecken Sie ja einen Ameisenlöwen? Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie einmal nichts finden. Es gibt ja immer noch eine sehr auffällige Art, die sich gut beobachten lässt, und das wäre, Sie ahnen es sicher schon, der Homo sapiens.

Beobachten und mithelfen

Und genau diese Art kann dazu beitragen, dass sich die Datengrundlage über unsere Stadttiere entscheidend verbessert. Daten über die Anzahl, das Verbreitungsgebiet und die Gewohnheiten der Tiere sind von grossem wissenschaftlichem Nutzen. Helfen Sie mit und melden Sie uns (www.umweltberatung-luzern.ch) oder einer anderen offiziellen Meldeplattform (www.cscf.ch, www.stadtwildtiere.ch) Ihre ausserordentliche Beobachtung. Wir nehmen die Daten gerne entgegen. Vielen Dank!

Aus dem zentralplus Blog Nachhaltigkeits-Blog

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