Symbolbild: Skelettfund in einer Ausgrabungsstätte. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Symbolbild: Skelettfund in einer Ausgrabungsstätte. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Der geheime Bordell-Friedhof von Luzern

3min Lesezeit

In der Stadt Luzern haben Ausgrabungen spannende Funde zutage gefördert. Es handelt sich offenbar um einen bisher nicht entdeckten Friedhof. Aber wie konnte das passieren? Die Abklärungen der Spezialisten ergaben zwei interessante Ergebnisse.

Jost Schumacher

An der Bruch- und der Gibraltarstrasse beim Aldi waren im Jahr 2010 während des Neubaus Grabungen notwendig. Nicht schlecht staunte der Baggerführer, als er dabei auf Skelette stiess. Wie in solchen Fällen üblich, wurde die Polizei und die Archäologie für eine Untersuchung aufgeboten. Die Polizei wegen eventuellen Verbrechen, die Archäologie für Forschungszwecke.

Der Verdacht auf ein Verbrechen konnte schnell ausgeschlossen werden. Umso mehr waren die Skelette für die Archäologie von Interesse. Hatte man einen bisher nicht bekannten Friedhof entdeckt? Ein Massengrab aus der Zeit der Pest oder gar einen Kriegsfriedhof? Nachdem die Skelette bis auf drei Ausnahmen nur von Erwachsenen stammten, wurde bald von einer Lücke in der luzernischen Friedhofsgeschichte ausgegangen. Aber wie konnte das passieren? Die Abklärungen der Spezialisten ergaben zwei interessante Ergebnisse.

Mangelernährung und Syphilis

Einerseits handelte es sich bis auf drei Ausnahmen ausschliesslich um Frauenskelette. Andererseits deutete die Knochenstruktur auf eine Mangelernährung, möglicherweise Skorbut, hin. Diese Krankheit trat oft bei Seefahrern auf, die über Monate hinweg kaum frisches Gemüse zu sich nehmen konnten. Aber in Luzern? Da gab es ausreichend Gemüse und auch Früchte! Was ist da im 16. Jahrhundert passiert? Vertiefte Forschungen ergaben, dass die Knochenstruktur dieser Skelette durch Syphilis belastet worden waren.

Schon zu jener Zeit war die Prostitution verbreitet und auch in Luzern gab es bereits ein Bordell. Dazu war die Gegend am Baslertor geradezu prädestiniert. Auswärtige Freier waren schnell in der Stadt und die Bürger mussten sich wegen der Lage nicht exponieren. Leidtragende waren die betroffenen Frauen beziehungsweise ihre Angehörige. Diese Frauen wurden nämlich nach ihrem leidvollen Tod nicht auf den offiziellen Friedhöfen Luzerns, sondern auf einem geheimen Friedhof im Untergrund beerdigt.

Die Freier bei der Hofkirche

Aber der Leser wird sich wohl dafür interessieren, von wem diese Frauen angesteckt worden sind. Auch wird es dem Leser bewusst sein, dass dies sicherlich nicht andere Frauen, sondern vermutlich die entsprechenden Freier waren, die sich in der Prostitution vergnügt haben. Wo sind denn diese Männer beerdigt worden? Ja, die hatten das Glück, mit allen kirchlichen und weltlichen Ehren bei der Hofkirche und im alten Friedhof von Luzernern zu Grabe getragen zu werden.

Aus dem zentralplus Blog Junker Josts Luzern

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