Aussenansicht des Unterlachenhofes an der Tribschenstrasse. (Bild: Google Maps)
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Aussenansicht des Unterlachenhofes an der Tribschenstrasse. (Bild: Google Maps)

Haute Cuisine fürs kleine Budget

5min Lesezeit

In den Unterlachenhof, so heisst es, müsse man in der Wildsaison unbedingt hin. Nur macht bei saisonalen Spezialitäten gerade der Umstand den Reiz aus, dass der Genuss zeitlich beschränkt ist. Wir wollten wissen, was das Luzerner Restaurant den Rest des Jahres zu bieten hat – und sind begeistert.

Würde man nur immer so strahlend und herzlich empfangen wie an diesem Dezemberabend! Vielleicht lag es am regen E-Mail-Austausch für den letzten Tisch an diesem Tag während der hektischen Weihnachtsessen-Saison. Oder an der herzlichen Art des Personals. Wir jedenfalls freuen uns, dass es geklappt hat, und machen uns über die Karte her.

Neben den gutbürgerlichen Klassikern aus der Standardkarte begeistert uns an diesem Abend vor allem die Winterkarte. Die saisonalen, regionalen Zutaten in kreativen und farbigen Kombinationen, wie man sie so kaum kennt, klingen verheissungsvoll. Auf die sicheren Werte wie Hackbraten, Brasato, Stroganoff oder Schnitzel kann ja dann zurückgegriffen werden, wenn die Entdeckerlust ein anderes Mal weniger ausgeprägt ist.

Winterliche Suppen zum Start

Den Start macht eine Suppe aus Boskoop-Äpfeln mit Rotkraut. Farblich gut gelungen, fällt sie geschmacklich etwas dezent aus. Gut, sorgen die getrockneten Rüeblistreifen für Spannung. Fast noch besser gefällt die Gelbe-Randen-Suppe mit gerösteten Cashewnüssen meiner Begleitung. Wenn die Komposition zu unserer Überraschung zwar stark an Kohlrabi erinnert, so überzeugt sie vollauf durch ihre Würze und Intensität.

Gespannt warten wir auf den Hauptgang. Die Wartezeit, und dies hat uns beeindruckt, lag trotz vollem Haus durchaus im normalen Rahmen. Ich versuche einen Sous vide gegarten Schweinsbauch an Honigjus mit Süsskartoffelpüree und süss-sauren Radieschen. Sous wie bitte? Die noch nicht überall bekannte Methode beschreibt das Garen im Wasserbad unter Vakuum, und das bei tiefen Temperaturen von etwa 50 bis 80 Grad.

Erdig, süss, sauer – alles andere als Alltag

Was serviert wird, übertrifft auch hohe Ansprüche. Der Teller ist so schön angerichtet, dass man ihn gerne noch etwas länger anschaut. Und erst das Fleisch: hammerzart und unglaublich saftig, der Honig sorgt für die schwere Süsse. Der bis zu zwei Tage dauernde Garprozess scheint nicht zu viel versprochen zu haben. Ursprünglich und erfrischend erdig die Süsskartoffeln, die Tomaten trotz der Jahreszeit aromatisch und die Radieschen erfrischend sauer – ein Hauch von Haute Cuisine in einer Kombination, die man so in wesentlich teureren Restaurants erwarten würde. Da auch die Portionengrösse den Ansprüchen gehobener Gastronomie entsprach, bin ich dankbar für die angebotene Auswahl von kleinen Desserts und entscheide mich für ein fruchtiges, aromatisches Kiwi-Mango-Mascarpone im Glas.

Preis/Leistung
Haute Cuisine zum Tiefpreis und eine echte Empfehlung für anspruchsvolle Gäste, die auf grosse Namen verzichten mögen. Auf der Karte sind auch einige spannende vegetarische Gerichte. So viel Kreativität, Experimentierfreude und Klasse kennen wir nicht in diesem Preissegment.

Die Abrechnung zum Schluss.
Die Abrechnung zum Schluss.

Auf der Weinkarte finden sich vor allem regionale Weine und solche aus dem angrenzenden Ausland, offen wird selbst ein Blauburgunder aus Dagmersellen (Bisang) angeboten.
***** von *****

Service
Eine ausgesprochen herzliche Begrüssung und ein unauffälliger, aber aufmerksamer Service. So haben wir es gerne. Den Chef haben wir an diesem arbeitsintensiven Abend nicht kennengelernt.
**** von *****

Ambiente
Das Quartierlokal wurde nach einem Umbau 2013 wiedereröffnet. Das Interieur prägen natürliche Materialien wie Holz und Stein, als Raumteiler werden heimelige Cheminéescheite eingesetzt. Gemütlich, aber bei grösseren Gesellschaften auch etwas laut.
**** von *****

Online-Faktor
Die Reservation erfolgt per E-Mail oder Telefon und wird innerhalb von 24 Stunden beantwortet. Die Webseite ist umfassend und enthält gute Menübilder, aber auch einige nicht mehr aktuelle Einträge unter News oder Trouvaillen wie Leitbild. Speise- und Weinkarte sind vorhanden.
*** von *****

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag von 08.00 bis 24.00 Uhr, Samstag von 10.00 bis 24.00 Uhr,
Sonntag und Feiertage von 11.00 bis max. 23.00 Uhr.

Wirtshaus zum Unterlachenhof
Tribschenstrasse 20
6005 Luzern
Telefon 041 360 13 58
E-Mail: info@unterlachenhof.ch

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